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Rezension




Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing.
Gerhard Zenke, Bielefeld,
15. März. 2011


Praktische Organisation
Wie wird die Arbeit richtig geteilt?
von Axel J. Papendieck


 „Welche Auswirkungen hat größere oder geringere Arbeitsteilung auf die Prozesse der Herstellung und Steuerung und folglich auf die Form der Organisation?“


In seinem Vorwort erläutert der Autor mit dieser Frage seine Herangehensweise als Praktiker an das Thema des Buches Praktische Organisation


 Dem Leser erschließt sich das Buch und die Intention des Autors am gründlichsten, wenn er mit Kapitel 3, der Geschichte der Organisation, beginnt. Hier berichtet der Autor in chronologischer Abfolge von den Ursprüngen des Handwerks über die Manufakturen, die Industriebetriebe bis hin zu der heutigen Ausweitung des Dienst­leistungsbereiches unter Beachtung der zunehmenden Herausforderungen an die innerbetriebliche Organisation und an die Arbeitsteilung zwischen den Betrieben. Mit dieser historischen Betrachtung der Organisation wird die Intention des Autors deutlich, aus den aufgezeigten Aufgaben, Problemen und bisher realisierten Lösungs­möglichkeiten in dem Hauptkapitel „Mittel und Wege der Gestaltung“ Empfehlungen zu geben, wie die Arbeit „richtig“ zu teilen sei.

In dem Kapitel „Theorie und Modell“ legt Papendieck Grundlagen zu Fragen der Systemabgrenzungen und zur Darstellung der Herstellungs- und Steuerungsprozesse. In der Grafik „Modell einer Organisation“ werden die einzelnen Systemelemente dargestellt einschließlich der Schnittstelle zum Markt (Lieferung des Endproduktes zum Abnehmer).

 In dem größten Kapitel „Mittel und Wege der Gestaltung“ wird der Herstellungsprozess vertiefend mit Darstellung der Produkte und ihrem jeweiligen Einfluss insbesondere auf die Montage beschrieben. Es ist über die ablauforganisatorische Gliederung zu entscheiden, sodass der Kernprozess zu einer wirtschaftlichen Herstellung führt. Verwiesen wird insbesondere darauf, dass generell mit der Herstellmenge auch die Arbeitsteilung steigt. Auf die Kernprozesse zur Produktherstellung sind die vom Autor genannten „Unterstützungsprozesse“ abzu­stimmen und zu gestalten, d.h. Aufgabe sind hier Maschineneinsatzplanung, Anlagen-  und Arbeitsplatzgestaltung sowie die Personal­einsatzplanung.


Der Autor geht auf Fragen der Aufbau- und Ablauforganisation ein und gibt Hinweise der praktischen Anwendung. Hierzu zählen neben dem Einsatz von Organigrammen und Stellenbeschreibungen auch die Einführung oder Optimierung von Objekt-Identifikationen (Nummernsystemen). Weiterhin können wert­volle Ansatzpunkte für die organisatorischen Gestaltungsaufgaben mit Gemeinkosten-Wertanalysen und Messung verschiedener Kennziffern erarbeitet werden. Mit Benchmarking sollen deutliche Fortschritte in der Beurteilung von z.B. Organisationen erzielt werden. Der Autor gibt weitere praktische Hinweise zur möglichen Einrichtung von Profit-Centern. Es werden Erfahrungen aus fünf historischen Organisationstypen geschildert und Hinweise gegeben, inwieweit sie auf heutige Anwendungen ausstrahlen sollten.

Der Autor verweist auf die seit vielen Jahrzehnten gebräuchlichen Methoden für die Arbeitsplanung nach REFA. Er gibt insbesondere die Empfehlung, analog zu den bisherigen Arbeitsplanungsmethoden in der Produktionstechnik die Ablaufpläne auch  in den Dienstleistungsbereichen verstärkt für die Prozessplanung und Organisation einzusetzen; damit setzt er wichtige Impulse für die zukünftige Organisation des Dienst­leistungsbereiches.

Das Buch ist für Ingenieure und Organisatoren sowie Betriebswirte in Industrie und in den Dienstleistungsbereichen für die Unter­stützung bei der Organisationsgestaltung geeignet. Es ist ein Buch für die praktische Anwendung und kann dem Leser, der vor der Istaufnahme eines praktischen Problems steht und nach der Vorgehensweise sucht oder bereits Lösungsansätze hat und weiter optimieren will als vielfältiges Nach­schlagewerk Anleitung geben. Für die Verwendung im Managementbereich gibt es Anregungen, die vorhandene Organisation im Überblick zu betrachten, ggfs. mittel- und längerfristige Entwicklungen zu erkennen und Ansatzpunkte für eine mögliche Reorganisation zu liefern oder bei vorhandenen Problemstellungen der Organisation nach neuen Ansätzen zu suchen.

Die grafische Darstellung auf dem Buchumschlag gibt einen interessanten Blick auf das Organisationsmodell. Die dort verwendeten Begriffe werden allerdings erfahrungsgemäß von jedem Leser eindeutig der Industrie zugeordnet, somit wird nicht auf Anhieb ersichtlich, dass als weiterer wichtiger Bereich die Dienstleistungen und Informationsprodukte Gegenstand der praktischen Organisationsgestaltung sind.

Das Buch gibt einen umfassenden Überblick über die praktischen Fragen der Organisation in Industrie und den Dienstleistungsbereichen, für die noch starke Entwicklungsmöglichkeiten durch die Anregungen aus dem Industriebereich gesehen werden.



( siehe auch Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis 4/2011)

Praktische Organisation - Axel J. Papendieck